Ein Mühlheimer Schätzchen

von Bernhard Michels

Dreifensterhaus in Rheinnähe - Baujahr 1898

- 350m² Wohnfläche in 10 Wohneinheiten von 23-53m²

- Kernsanierung Hinterhaus, Renovierung Vorderhaus

- ökologische Baustoffe/Bauteile: Kalkschlämme Wetterschutz,
  Holzfenster, Zellulose-Dachdämmung, Kalkinnenputz
 
- erhalten wurden: Lehmschlagdecken, Dielenböden, Kalkputze, Holztüren,
  Ziegelfassade, Holztreppen
 
- ergänzt wurden: Balkone, französische Fenstertüren, Mini-Bäder,
  Schlafemporen in DG-Wohnungen, neue Elektrik, Zentralheizung
  (Gasbrennwert)
 
Im rechtsrheinischen Köln-Mülheim, unweit vom Rhein, dem Stadtentwicklungsgebiet „Alter Güterbahnhof“ und dem Medienstandort „Schanzenviertel“, in einer ruhigen Seitenstraße gelegen, harrte ein nach dem Krieg bescheiden wiederhergerichtetes Dreifensterhaus von 1898 auf einem 7 x 70m langen Grundstück auf sein „Wach-Geküsst-Werden“.
 
Ein knapp 3m breiter Innenhof entlang des schmalen Hinterhauses, 100jährige rußgeschwärzte Ziegelrückseiten, ein Bad- und Waschhausanbau mit gusseisernem Kessel und emaillierter Wanne, ein Kapitänsausguck mit Voliere in dem verwunschenen Garten, hölzerne gedrechselte Treppenläufe und großgemusterte grün-orange 70er-Jahre-Tapeten über Vorkriegs-Strukturwalzendruck – es gab jede Menge zu entdecken.
 

Dabei erschienen uns die 10 Minimalwohnungen im Vor- und Nachkriegskleid (z.T. noch ohne Bad und Zentralheizung) wie geschaffen für den wachsenden Suffizienter-Wohnen-Bedarf moderner Stadtnomaden, Studenten und Lebensphasenabschnittssingles an diesem sich dynamisch entwickelnden rechtsrheinischen Standort…

Eine Generalsanierung wurde verordnet, die insbesondere Heizung, neue Elektrik und Minibäder für alle Wohnungen ergänzte. Die Fenster im Hinterhaus wurden zu raumhohen Fenstertüren vergrößert und mit frz. Balkongeländern oder, wo möglich, mit vorgehängten Balkons ergänzt, die Licht und Großzügigkeit in die Wohnungen bringen.

 

Die Raumhöhe von mindestens 2,80m Höhe lässt auch in den Mini-Apartments mit 23m² kein Gefühl von Enge aufkommen. Die noch höheren DG-Wohnungen erhielten zusätzliche Quadratmeter in Form von sorgsam geschreinerten Schlafemporen über der Badbox – die Treppen hängend an schmalen raumhohen Eichenbohlen, die in die sich kreuzenden Kraftkoordinaten der Pultdach-Pfettenkonstruktion eingefügt sind.

 

Die Straßenfassade wies bis auf Dreifensterhaus-Gliederung und Rustika-Sockel kein Dekor aus der Ursprungsepoche mehr auf, so wie es am linken Nachbarn und auf alten Fotos noch zu bewundern ist. Das feingliedrig gestufte Dachrandprofil unter der aufgesetzten Rinne hatte man unwiederbringlich unter einem plumpen Mörtelpaket verschwinden lassen, wodurch die Fassade wie enthauptet wirkte.

So blieb uns Korrektur und Erinnerungspflege mittels Farbe: In Referenz zum 150. Peter-Behrens-Jubiläumsjahr (P. Behrens: 1868 – 1940, Typograph, Industrie-Designer, Architekt - Erbauer und Gestalter u.a. der Berliner AEG-Werke) wurden wir unter Schrifttypen und Jugendstilornamenten des Altmeisters im Aufbruch zur Moderne fündig, ergänzten und stärkten die Dreifenstertypologie mit Jahreszahlen-Medaillons über den Fenstern und Zierbändern in Behrens markanter architektonischer Typographie. Ein kräftiges Schweden-Rot gibt einen schönen Kontrast und dem oberen Fassadenteil über dem Sockelgeschoss das ihm zustehende Gewicht.

 

 

Fotos:
© Stadt Köln, Kölner Stadtkarten, 4. Auflage
© Noesser Padberg Architekten GmBH
© Christoph Servatius